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Zum Tod des Schauspielers und Künstlers Rolf Becker

Ein großer Mitstreiter und Freund
ist von uns gegangen

Im Alter von 90 Jahren ist am Freitag, den 12. Dezember Rolf Becker in einem Hamburger Hospiz verstorben.
Rolf Becker wurde am 31. März 1935 in Leipzig geboren. Sein Vater war 1943 im Krieg gefallen, und Rolf Becker hatte als Zehnjähriger in Leipzig die Zerstörungen des II. Weltkriegs erleben müssen.
Nach dem Abitur 1955 nahm er Schauspielunterricht an der Otto-Falckenberg-Schule in München. Seine große schauspielerische Begabung führte ihn an die Münchner Kammerspiele, das Staatstheater Darmstadt und das Theater in Bremen, wo er auch Regisseur und Oberspielleiter an der Oper war. Ab 1971 arbeitete er am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Schon bald bekam er Rollen in Film und Fernsehen, u.a. in Produktionen wie „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“ (1975), „Wallenstein“ (1978), in Krimiserien wie „Derrick“, „Tatort“ und „Der Alte“. Zuletzt wurde er bekannt als der Opa Otto Stein in der Fernsehserie „In aller Freundschaft“ (2006 – 2025), dem einzigen Engagement der letzten 20 Jahre.
Aus seiner ersten Ehe mit Monika Hansen gingen die zwei Kinder Ben und Meret (ebenfalls Schauspieler) hervor. Mit seiner Frau Sylvia Klemper, mit der er zwei Söhne hatte, adoptierte er Anton Wempner, der 2012 die Titelrolle in dem Film „Zappelphilipp“ übernahm.

Die Erfahrungen des Faschismus prägten seine tiefe antifaschistische Einstellung, und seine Reflexion über die Ursachen des Faschismus im Kapitalismus führte ihn zum Marxismus, weil sich „so etwas niemals mehr wiederholen darf“. Er gelangte zu der Überzeugung, dass die Zukunft der Menschheit nur in einer sozialistischen Gesellschaft gesichert werden kann. Aus diesem Grund begann er, seine Schauspielkunst zur Verbreitung von Texten von Marx und Engels und weiterer fortschrittlich-revolutionärer Schriftsteller zu nutzen. Unvergessen seine Lesungen des Kommunistischen Manifests, u.a. für die „Offene Akademie“ in Gelsenkirchen 2008, in deren Beirat er Mitglied wurde. Acht Jahre später, im Jahr 2016, führte er auf der Offenen Akademie die Veranstaltungsreihe „Marx und Engels – Zur Einheit von Mensch und Natur“ ein. Unvergessen auch sein literarischer „Streifzug zur Entwicklung von Geld und Kapital“ im Jahre 2011, in denen er aus Werken von Aristoteles, Shakespeare, Brecht, Heine und Karl Marx über das Geld und seine Verwandlung in Kapital vortrug. Er besaß die besondere Gabe, vermeintlich schwierige Texte nah und aktuell werden zu lassen. Wenn er mit seiner tiefen Bassstimme rezitierte, wurde es still im Saal, seine Sprache war ein Kunstwerk von großer Überzeugungskraft.

Rolf Becker nutzte seine künstlerischen Fähigkeiten auch als Brücke zur internationalen Arbeiter- und antifaschistischen Bewegung. Ein Leben lang setzte er sich ein für die Freilassung von Mumia Abu-Jamal, einem schwarzen US-amerikanischer Radio-Journalisten aus Philadelphia, der 1982 wegen angeblichen Mordes an einem weißen Polizisten zum Tode verurteilt wurde. Er solidarisierte sich mit den Arbeitern Griechenlands in ihrem Kampf gegen die Troika und führte Veranstaltungen in Hamburg durch zu „Mikis Theodorakis – Du bist Griechenland“, als dieser sich mit 87 Jahren für die Freiheit und Rechte des griechischen Volkes einsetzte. Gemeinsam mit der Auschwitz-Überlebenden Esther Bejerano stritt er für die Verfolgten des Naziregimes und die Rechte des palästinensischen Volkes. In einem Brief von Esther Bejerano an Rolf Becker heißt es: „… ich wollte immer einen beschützenden Bruder haben, und so habe ich mir Dich ausgesucht. Wie viele gemeinsame Kämpfe gab es, wie viele gemeinsame Veranstaltungen. Gemeinsam streiten, gemeinsam wirken für Gerechtigkeit, gegen jedwede Ausgrenzung von Menschen, gegen die schlimme Asylpolitik in Deutschland und Europa, gegen Ausländerhass, für Völkerfreiheit, für Völkerverständigung.“
(aus einem Brief vom 18. April 2015).

Rolf Becker war die Existenzkrise der Menschheit durch den Kapitalismus bewusst. Sie bereitete ihm Sorgen, machte ihn manchmal ungeduldig in der Befürchtung, dass es für eine Lösung zu spät sein könne. Er blieb zeitlebens den Interessen der Arbeitern und der Jugend verbunden, war Aktivist bei ver.di Hamburg, Schirmherr eines Internationalen Pfingstjugendtreffens und erhielt noch 2025 den „Rosa-Luxemburg-Preis. Er war kein Freund von Eitelkeit, wollte niemals „mehr sein“ als die anderen: „Bitte keine lange Vorstellung über mich – der Text ist wichtiger“ sagte er mir beim Beginn einer Veranstaltung der Offenen Akademie in Stuttgart.

Er blieb einer von uns „unten“. In Aufrichtigkeit, Mut und Treue stand er zu den Idealen von Marx und Engels. Es ehrt ihn, dass er auch daran festhielt, als die Medienindustrie und der Verfassungsschutz ihn auf eine „Schwarze Liste“ setzten und seine bürgerliche Schauspielerkarriere beendeten. Bis auf die Rolle von Opa Otto Stein in der Serie „In aller Freundschaft“ war ihm der Zugang zu Engagements verwehrt.

Er beendete die Veranstaltung der Offenen Akademie 2016 in  Gelsenkirchen mit einer Rede Engels an die Arbeiter in Manchester:
„Vieles steht euch noch bevor; seid standhaft, laßt euch nicht entmutigen – euer Erfolg ist gewiß, und jeder einzelne Schritt vorwärts auf dem Wege, den ihr zu gehen habt, wird unserer gemeinsamen Sache dienen, der Sache der Menschheit!“  (Engels, Die Lage der arbeitenden Klasse in England, MEW 2, S. 231).

Davon war Rolf Becker überzeugt.  Er bleibt in unseren Reihen lebendig.


Christoph Klug
Offene Akademie – Fortschrittliche Wissenschaft und Kultur


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