Am 4.4.11 war in den Medien zu lesen, dass schwach-radioaktives Wasser direkt in den Pazifik gepumpt werden soll, um Platz für hochradioaktives Wasser zu schaffen. Es gäbe nicht genügend Speicherkapazitäten, neue Tanks würden erst Mitte April bereitstehen. Doch woher stammt dieses angeblich schwach-radioaktive Wasser?

Am 27.3.11 schrieb die WELT:
In vier der sechs Blöcke war radioaktives Wasser mit extrem erhöhter Strahlung ausgetreten, das offenbar aus dem Reaktorkern oder aus dem Abklingbecken für die abgebrannten Brennelemente stammt. Es stand teils mehr als einen Meter hoch an den Gebäuden. Nach dem Abpumpen sollen die Arbeiten zur Verkabelung der Kühlsysteme fortsetzt werden… Das verstrahlte Wasser in Block 1 enthält große Mengen von Cäsium-137. Die Reaktorsicherheitsbehörde veröffentlichte am Samstag eine Analyse dieses Wassers. Insgesamt wurden acht radioaktive Substanzen festgestellt.1

Handelt es sich also bei dem Wasser, dass in den Pazifik gepumpt werden soll etwa um anderes Wasser? Oder wurde jenes „radioaktive Wasser mit extrem erhöhter Strahlung aus dem Reaktorkern oder aus dem Abklingbecken“ einfach als schwach-radioaktiv bezeichnet, um es in den Pazifik pumpen zu können?
TEPCO und die japanische Regierung versuchen uns seit Wochen glaubhaft zu machen, dass sich die Krise in Fukushima stabilisieren würde und dass sie die Lage unter Kontrolle hätten. Aber die jüngste Entscheidung, über 15.000 t hochradioaktives Wasser direkt ins Meer zu leiten, zeigt genau das Gegenteil. TEPCO´s Entscheidung, den Lebensraum Meer noch weiter zu verseuchen – um Platz für die Aufbewahrung von Wasser mit noch viel höherer Radioaktivität zu gewinnen – beweist, dass diese Krise weit davon entfernt ist, unter Kontrolle zu sein…

Die Behörden behaupten, das eingeleitete Wasser würde keine signifikante Bedrohung der menschlichen Gesundheit darstellen. Das muß nun geprüft werden – doch was ist mit den Auswirkungen auf die marinen Ökosysteme, auf Fische und Meeresfrüchte, sowie die Fischereiindustrie? Während der letzten Tage haben Meerwasserproben in etwa 40km Entfernung zu den beschädigten Reaktoren auf eine schwere radioaktive Verseuchung hingewiesen. Vor 2 Wochen hat die Analyse von gesammelten Seetang-Proben, ebenfalls in 40km Entfernung, extrem hohe Konzentrationen an Radio-Isotopen gezeigt, die das mehrere Tausendfache des Grenzwerts betrugen.

Die Ostküste Japans ist für den Fischfang von großer Bedeutung. Das Meer um Fukushima ist bereits verseucht – TEPCO hatte angegeben, daß Meerwasserproben vom 2.4.11, in der Nähe von Reaktor 2 den erlaubten Grenzwert für Jod-131 um mehr als das 7,5 millionenfache überschritten hatte.
An diesem Punkt können  die möglichen Auswirkungen von 15.000 Tonnen zusätzlicher Strahlung nur erahnt werden.


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