Am 29. Juni 2025 rief die International Union of Scientists Against Militarism and the Destructive Use of Science and Technology (IUS) in einer gemeinsamen Erklärung Forschende weltweit dazu auf, sich entschlossen gegen Kriege, Aufrüstung und die wachsende Einbindung von Hochschulen und Forschungsinstituten in militärische Strategien zu stellen. Die Autor:innen prangern u. a. die fortschreitende Nutzung von Drohnen, KI‑gestützten Waffensystemen und Nukleararsenalen an und fordern, wissenschaftliche Arbeit konsequent in den Dienst von Frieden, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit zu stellen.
Die folgende deutsche Übersetzung wurde von uns erstellt, um den Wortlaut dieser wichtigen Stellungnahme einem deutschsprachigen Publikum zugänglich zu machen. Das englische Original mit der Möglichkeit zur Unterzeichnung ist hier abrufbar:
https://www.iuscientists.org/stand-with-scientists-against-war-and-militarization-of-science/. International Union of Scientists
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Die Erklärung
Wir, Wissenschaftler:innen aus aller Welt, geben angesichts zunehmender Bedrohungen für die Menschheit diese dringende Erklärung heraus.
Tiefe und weitreichende Krisen haben die Welt erfasst. Dies hat zu einer dramatischen Vertiefung sozialer Ungleichheit, zur Zerstörung von Lebensgrundlagen und zu scharfen gesellschaftlichen Spaltungen geführt. Weltweit erleben wir eine beunruhigende Zunahme rassistischer Feindseligkeiten, ethnischer Gewalt, Apartheid-Praktiken und religiösen Fundamentalismus – oft absichtlich von Machthabenden geschürt und instrumentalisiert für Profit und politischen Vorteil. Fremdenfeindlichkeit und das Erstarken rechtsextremer Ideologien destabilisieren Demokratien in Europa, den USA, Indien und weiteren Ländern.
Gleichzeitig beobachten wir eine zunehmende Tendenz zur Militarisierung der Wirtschaft. Diese Entwicklung stärkt den profitgetriebenen militärisch-industriellen Komplex und befeuert einen globalen Kreislauf von Konflikten, Kriegen und Waffenverbreitung. Dies ist besonders gefährlich in einer Ära, in der imperialistische Mächte versuchen, ihre Vorherrschaft und Kontrolle über natürliche und menschliche Ressourcen schwächerer Volkswirtschaften aufrechtzuerhalten.
Diese zunehmenden Spannungen äußern sich nun weltweit in gewaltsamen Konflikten, darunter:
- Die systematische und brutale staatliche Aggression Israels in Gaza und den besetzten palästinensischen Gebieten, die einem Völkermord gleichkommt.
- Der unprovozierte israelische Krieg gegen den Iran und die anschließenden militärischen Angriffe der USA auf iranische Atomanlagen, die einen regionalen oder globalen Krieg auslösen könnten.
- Der eskalierende Krieg zwischen Russland und der von der NATO unterstützten Ukraine, der das Leben der einfachen Bevölkerung in beiden Ländern zerstört und den Weltfrieden bedroht.
- Zunehmende Spannungen zwischen den Atommächten Indien und Pakistan, die den indischen Subkontinent an den Rand einer gefährlichen militärischen Eskalation bringen.
- Im Osten der Demokratischen Republik Kongo, reich an wertvollen Bodenschätzen, haben jahrzehntelange Kriege mit Beteiligung benachbarter Länder, insbesondere Ruanda, Uganda und deren Stellvertreterarmeen, kürzlich erneut an Intensität gewonnen. Über 6 Millionen Menschen wurden bislang getötet und Hunderttausende Frauen und Mädchen Opfer sexueller Gewalt.
Moderne Kriegsführung wird zunehmend durch jene Werkzeuge ermöglicht, die aus wissenschaftlich-technologischem Fortschritt hervorgegangen sind und Symbole menschlicher Genialität darstellen. Autonome Waffensysteme, Drohnen, KI-gesteuerte Systeme, Langstreckenraketen und nukleare Arsenale sind zu Instrumenten des modernen Krieges geworden, die massenhafte Zerstörung verursachen. Dies bedroht kurzfristig das Leben von Millionen und langfristig die Ökosysteme unseres Planeten. Noch nie zuvor verfügte die Menschheit über ein derart großes Potenzial zur Selbstvernichtung.
Als Wissenschaftler:innen und wissenschaftlich Tätige dürfen wir nicht schweigen. Wissenschaft ist niemals moralisch neutral; sie existiert innerhalb und untrennbar verbunden mit den gesellschaftlichen und politischen Realitäten ihrer Zeit. Sich als Wissenschaftler:in als „unbeteiligt“ zu verstehen, bedeutet, die Konsequenzen unserer Arbeit zu verleugnen. Heute stehen wir vor einer klaren moralischen und ethischen Entscheidung: Wissenschaft kann entweder den Interessen von Krieg, Macht und Profit dienen – oder den Interessen von Menschlichkeit, Frieden und Gerechtigkeit. Wir entscheiden uns für Letzteres. Wir müssen der Militarisierung der akademischen und wissenschaftlichen Forschung entschieden entgegentreten und uns für ethische Prinzipien in der wissenschaftlichen Arbeit einsetzen.
Daher rufen wir Wissenschaftler:innen und wissenschaftlich Tätige weltweit dazu auf, sich gemeinsam mit einer starken Stimme zu erheben und konkrete Maßnahmen gegen Kriegstreiberei zu ergreifen, um:
- den Einsatz von Wissenschaft und Technologie für militärische Aggression und Zerstörung abzulehnen;
- wissenschaftliche und technologische Forschung konsequent auf Frieden, Gerechtigkeit und den Dienst an der Menschheit auszurichten;
- sich öffentlich gegen Krieg, Militarismus sowie die destruktive und unethische Nutzung wissenschaftlicher Erkenntnisse auszusprechen;
- Wissenschaftler:innen weltweit zu mobilisieren und zu vereinen, um gemeinsam für das Leben, Gerechtigkeit, das Wohl unseres Planeten und für eine Welt ohne Angriffskriege einzutreten.
Dies ist ein Appell an unser Gewissen – und zum Handeln. Wir appellieren an Wissenschaftler:innen, Lehrende, Studierende und Bürger:innen in aller Welt, sich uns anzuschließen, um dieses Ziel gemeinsam zu verwirklichen. Wir dürfen nicht zulassen, dass die Kraft der Wissenschaft immer wieder gegen die Menschheit gerichtet wird. Vielmehr müssen wir diese Kraft mutig dafür einsetzen, eine gerechte, friedliche und nachhaltige Zukunft für uns alle zu schaffen.
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